Wurstprobe: Das ahle Niveau. Vol. 2.

Ja. Ich bin immer noch glücklich hier in Franken. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, die Lebensqualität ist hoch. Das Sauerteigbrot und der Silvaner unvergleichbar, die Vielfalt der Biere unerreicht.
Aber heute geht es um die Wurst. Und zwar um eine ganz spezielle – die Ahle Wurst, auch Stracke genannt …die Mettwurst meiner Heimat eben, der Göttinger Gegend. Die gibt es hier leider nicht. Und ich vermisse sie sehr. 2007 gab es einen schönen Artikel in der Zeit Nr. 46.

Neulich war ich wieder dort oben… im Norden. Und so habe ich einfach ein paar Würste eingekauft, um die Probe aufs Exempel zu machen. Denn die ursprünglich beste Ahle kam aus dem Nachbardorf meiner Großmutter. Nur dass sie – seit der Sohn die Schlachterei übernommen hatte – eben nichts mehr war außer eben … schlecht. Da ich wusste, dass mein Bruder aus geheimen Quellen eine gute Stracke organisiert hatte, wollte ich schauen, ob ich nicht doch nur einem Gerede aufgesessen bin. Zum Vergleich (siehe Foto) habe ich dann einen Landjäger aus dem lokalen Supermarkt und eine Davoser Hartwurst dazugelegt. Dann die Ahle von besagtem Schlachter, seine eigentliche Mettwurst und die geheime Stracke.

Und was soll ich sagen. Der Landjäger war wirklich schrecklich. Eine Beleidigung des Gaumens. Industriedreck. Muss man leider so sagen. Die schweizer Hartwurst war OK, aber auch nichts Besonderes. Eher in Richtung Salami, ohne deren Finesse und Würze zu erreichen.
Die Ahle war bestenfalls OK. Der Charakter kommt durch, aber es fehlt Tiefe und Nachhaltigkeit im Geschmack. Die Mettwurst – das eigentliche Ziel dieser Wurstprobe – war im Gegensatz zur Ahlen tatsächlich gut! Im Gegensatz zu den letzten, mir schrecklich in Erinnerung gebliebenen Versionen der gleichen Wurst auf einmal (fast) wieder der alte Geschmack! Die geheime Stracke war gut (wie erwartet), aber diesmal leider viel zu jung. Fett und schmierig. Ein echter „Kindermord“, wie ich gerne sage. Aus ihr würde noch was tolles werden, äße man sie nicht schon jetzt…

Fazit also: Die geheime Stracke war nicht die Beste Wurst und auch das Hängen hat nicht viel geholfen… Sieger ist ganz klar die Mettwurst des Nachbardorf-Metzgersohnes, die fast so wie früher ist. Was war da geschehen? Hatte der Sohn erst jetzt das Rezept seines Vaters gefunden und verwendet? Oder hatte er gemerkt, dass seine (bisherige) Stracke/Mettwurst nichts war (weil es ihm doch mal irgendwer gesagt hatte)? Ist eigentlich völlig egal. Hauptsache er macht weiter so! Vielleicht schafft er es, das ahle Niveau seines Vaters zu erreichen… er ist auf dem besten Weg dahin!

Ach so. Und für alle, die das hier nicht verstehen: Macht nix. Man kann auch ohne Ahle glücklich werden. Vielleicht nur nicht ganz so glücklich…

Aktualisiert am 20. Jänner 2019

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