Stühle

Krummbeinig und schief. Ja das bin ich. Und trotzdem habe ich mich schön gemacht in dieser weinseligen Zeit. Habe mir einen Kranz aufgesetzt und erfreue Euch, wenn ihr an mir vorbeigeht.

11. Dezember 2018 – Nürnberg Ziegelstein

Du bist zu spät! – schreit er mich an. Da steht schon wieder ein Stuhl. Er steht schon lange da, aber heute ist es anders. Liegt es an den Farben? Am Herbstlaub, an der sich schälenden Platane im Hintergrund oder am eingegerissenen Sitzbezug? Diesmal es ist jedenfalls, als wolle er sagen: Du bist zu spät! Vorhin saß hier wer. Der hätte dir gerne etwas erzählt. Aber jetzt… du bist zu spät!

10. November 2018 – Nürnberg Nordost

Erzähl mir was! Auf dem Weg zur Arbeit stolpere ich mitunter über die schönsten Motive. Morgens und gerade jetzt im Herbst ist das Licht unglaublich. So fahre ich oft an der Resi vorbei und erfreue mich ihres immerschönen Anblickes. Seit einiger Zeit steht dort ein Stuhl und wartet. Auf einen Bahnübergangswärter? Oder einen Erzähler?  

31. Oktober 2018 – Nürnberg Nordost, an der Resi 
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Wurstprobe: Das ahle Niveau. Vol. 2.

Ja. Ich bin immer noch glücklich hier in Franken. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, die Lebensqualität ist hoch. Das Sauerteigbrot und der Silvaner unvergleichbar, die Vielfalt der Biere unerreicht.
Aber heute geht es um die Wurst. Und zwar um eine ganz spezielle – die Ahle Wurst, auch Stracke genannt …die Mettwurst meiner Heimat eben, der Göttinger Gegend. Die gibt es hier leider nicht. Und ich vermisse sie sehr. 2007 gab es einen schönen Artikel in der Zeit Nr. 46.

Neulich war ich wieder dort oben… im Norden. Und so habe ich einfach ein paar Würste eingekauft, um die Probe aufs Exempel zu machen. Denn die ursprünglich beste Ahle kam aus dem Nachbardorf meiner Großmutter. Nur dass sie – seit der Sohn die Schlachterei übernommen hatte – eben nichts mehr war außer eben … schlecht. Da ich wusste, dass mein Bruder aus geheimen Quellen eine gute Stracke organisiert hatte, wollte ich schauen, ob ich nicht doch nur einem Gerede aufgesessen bin. Zum Vergleich (siehe Foto) habe ich dann einen Landjäger aus dem lokalen Supermarkt und eine Davoser Hartwurst dazugelegt. Dann die Ahle von besagtem Schlachter, seine eigentliche Mettwurst und die geheime Stracke.

Und was soll ich sagen. Der Landjäger war wirklich schrecklich. Eine Beleidigung des Gaumens. Industriedreck. Muss man leider so sagen. Die schweizer Hartwurst war OK, aber auch nichts Besonderes. Eher in Richtung Salami, ohne deren Finesse und Würze zu erreichen.
Die Ahle war bestenfalls OK. Der Charakter kommt durch, aber es fehlt Tiefe und Nachhaltigkeit im Geschmack. Die Mettwurst – das eigentliche Ziel dieser Wurstprobe – war im Gegensatz zur Ahlen tatsächlich gut! Im Gegensatz zu den letzten, mir schrecklich in Erinnerung gebliebenen Versionen der gleichen Wurst auf einmal (fast) wieder der alte Geschmack! Die geheime Stracke war gut (wie erwartet), aber diesmal leider viel zu jung. Fett und schmierig. Ein echter „Kindermord“, wie ich gerne sage. Aus ihr würde noch was tolles werden, äße man sie nicht schon jetzt…

Fazit also: Die geheime Stracke war nicht die Beste Wurst und auch das Hängen hat nicht viel geholfen… Sieger ist ganz klar die Mettwurst des Nachbardorf-Metzgersohnes, die fast so wie früher ist. Was war da geschehen? Hatte der Sohn erst jetzt das Rezept seines Vaters gefunden und verwendet? Oder hatte er gemerkt, dass seine (bisherige) Stracke/Mettwurst nichts war (weil es ihm doch mal irgendwer gesagt hatte)? Ist eigentlich völlig egal. Hauptsache er macht weiter so! Vielleicht schafft er es, das ahle Niveau seines Vaters zu erreichen… er ist auf dem besten Weg dahin!

Ach so. Und für alle, die das hier nicht verstehen: Macht nix. Man kann auch ohne Ahle glücklich werden. Vielleicht nur nicht ganz so glücklich…

Aktualisiert am 20. Jänner 2019

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Alle Tassen im Schrank.

Ich war immer viel unterwegs. Was bringt man sich aber von all diesen Orten, die man so durchreist mit? Im Jahr 2005 kam ich auf die Idee mit den Tassen. Starbucks hatte sich zu jener Zeit auch außerhalb der USA schon ziemlich breit gemacht und es gab auch in Europa die ersten Tassen, die  den Namen mancher Stadt als Schriftzug und das oder die bedeutendsten Bauwerke derselben als Bild trugen. Das Design des Ur-Mugs (wie ich ihn mal nenne) wirkte noch etwas uneinheitlich, die Städtenamen bizarrerweise manchmal in Englisch, manchmal auch in Landessprache. Und auch ist mir bis heute nicht klar, wie eine Stadt es schafft, in diese Riege aufgenommen zu werden. Mindestkriterium schien lediglich eine gewisse amerikanische Präsenz (Spangdahlem) oder eben Popularität (Heidelberg) zu sein… Über die Jahre haben sich nun mehr als hundert dieser Tassen gesammelt, inzwischen bin ich bei der 4. Serie angekommen. Zunächste waren es 20oz.-„Eimer“, dann 16, jetzt 14 fl.oz. das schönste Format. Früher eine eher hohe Tasse, jetzt etwas bauchiger und nicht ganz so hoch. Einige (Hamburg) hatte ich doppelt, weil es (früher) keine Liste gab. Andere, weil tatsächlich verschiedene Modelle in der gleichen Serie existierten (Oktoberfest). In den USA bekommt man die jeweilige Tasse tatsächlich nur in der jeweiligen Stadt, in Deutschland dagegen fast jede Tasse überall…

Nachdem meine Tassen noch benutzt wurden, habe ich sie dann irgendwann zugunsten anderer (kleinerer) Tassen in den Schrank verbannt. Vor ein paar Jahren habe ich sie jedoch aus ihrem Höhlendasein befreit und meine Gäste dürfen, nein müssen sich – ich habe keine anderen Tassen mehr – Ihr Tässlein wählen, wenn sie bei mir etwas warmes trinken möchten. Sie stehen nach Serie und Alphabet sortiert in einem Regal, das fast eine ganze Wand einnimmt und neben der praktischen Funktion auch dazu führt, dass ich manchmal davorstehe, innehalte und mich einer dieser Reisen entsinne…

Das schönste aber ist: Das Regal ist voll. Und es wird keine Erweiterung geben. Ich brauche also keine weiteren Tassen und werde auch keine mehr kaufen. Und bitte bringt mir keine mit! Die letzte Tasse meiner Sammlung ist die aus Montréal. 1990 hatte ich dort studiert – da gab es diese Tassen noch nicht. Heute hat einer meiner ältesten Freunde sie mitgebracht – Danke Burkhard!

Hier eine Gesamtaufstellung nach Serie:

  • Ur-Mug (15)
    Aachen, Barcelona, Berlin, Bern, Bonn, Cologne, Frankfurt am Main, Hamburg, Munich, Münster, Stuttgart, Vienna, Warsaw, Wiesbaden, Wroclaw.
  • City-Mug (72)
    Karneval, Oktoberfest (3), England, France, Germany (2), Hungary, Morocco, Netherlands, New Zealnd, Portugal, Romania, Russia, Singapore (2), Sweden, Aachen, Berlin, Bielefeld, Bonn, Braunschweig, Bremen, Bucharest, Budapest, Cambridge, Darmstadt, Den Haag, Dresden, Dublin, Düsseldorf, Freiburg, Frankfurt am Main, Freiburg, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Hilversum, Jakarta, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Köln, Kraków, Leiden, Leipzig, Lille, Lisboa, Los Cabos, Lyon, Mainz, Manchester, Mannheim, München, Münster, Nijmegen, Nürnberg, Osnabrück, Paris, Potsdam, Prague, Rotterdam, Ruhrgebiet, Saarbrücken, Samara, Spangdahlem, Stuttgart, Utrecht, Washington DC, Wroclaw, Zurich
  • You-are-here Collection (27)
    Austria, Germany, France, Switzerland, Alaska, Berlin, Budapest, California, Chicago (IL), Dresden, Frankfurt, Hamburg, Illinois, Köln, London, Los Angeles, München, Nürnberg, Oregon, Paris, Portland (OR), Prague, San Francisco, Stockholm, Toulouse, Vienna, Zürich.
  • Been-there Series (4)
    Florida, Montréal, New York, Washington
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Gestochen scharf.

Endlich wieder ein Wochenende konzentriert an einer Radierung arbeiten! Diesmal ist es aber nicht die Säure, die die Arbeit macht, wie bei meinen bisherigen Ätzradierungen, nein es sind meine dünnen Ärmchen: eine Kaltnadelradierung entsteht. Als Motiv die Landkarte der Republik Tuwa. Kennt niemand. Schon klar. Ich war am 11. Mai 2018 dort gewesen, um anlässlich Feynmans 100. Geburtstag der Einweihung eines in den Felsen gemeißelten Feynman-Diagramms beizuwohnen. Das Diagramm kann man auf AtlasObscura bewundern.

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Watching You.

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Hochkonzentriert sitze ich über einer Kupferplatte und arbeite an meiner Kaltnadelradierung. Als ich kurz aufschaue, erschrecke ich: mir gegenüber steht ein Schrank mit Glastür. Darin ein Gesicht mit Hut und ein stechender Blick. Ich drehe mich um – und muss … Weiterlesen

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